Kirche-Rehetobel
  • Predigtgottesdienst

    Sonntag, 06.08.2017, 09.45 Uhr

    mit Pfrn. Beatrix Jessberger, musikalisch gestaltet vom Bläserquartett der MG Rehtobel

Augustinus: „Ich fragte die Erde, ich fragte die Abgründe des Meeres, ich fragte  die lebenden Tiere, alles was kreucht. Ich fragte den säuselnden Wind, ich fragte die Himmel, die Sonne, den Mond, die Sterne… Meine Frage war mein auf sie gerichteter Blick. Ihre Antwort war ihre Schönheit.“

Ein Gebet kann nicht das Wasser zum trockenen Feld bringen, nicht eine zerbrochene Brücke instand setzen, noch eine zerstörte Stadt wieder aufbauen; aber ein Gebet kann trockene Erde tränken, ein zerbrochenes Herz heilen und einen geschwächten Willen wieder stärken. Abraham J. Heschel    mehr

Die Kirche in Rehetobel: ein Glücksfall

Kirche

Die Kirchengeschichte der Region Appenzell/St.Gallen ging auch an Rehetobel nicht spurlos vorüber. 1405 kämpften die Rehetobler mit für die Unabhängigkeit des Appenzeller Landes vom St. Galler Fürstbischof. 1490 beteiligten sich junge Rehetobler am Klosterbruch, um zu verhindern, dass die Benediktiner das Kloster in St. Gallen verlassen und in das Kloster Maria Berg in Rorschach ziehen. Während der Reformation unterstützten sie den Reformator Pelagius Amstein, einen „eifrigen und ungestümen Prediger“ in Trogen. Dort stand die Mutterkirche auch der Rehetobler. Als die Verdienstverhältnisse sich im 17. Jahrhundert auf Grund des Leinwandmarktes besserten, verlangten und seufzten die „guten und ehrlichen Leute von Rehetobel“ nach einer Kirche. Gegen Widerstand der Behörden und Trogens wurde sie 1669 gebaut. Den Rehetoblern ging es beim Bau der eigenen Kirche sowohl um die Konstituierung der politischen Gemeinde in Rehetobel, als auch um die geistige und intellektuelle Schulung der Jugend; denn „Unwüssenheit und Unverstandnuss der Sachen, ihr ewiges Heil betreffend“ war ihr Problem. Am 29. August 1669 wurde die erste Kirche feierlich eingeweiht. Mit der gleichzeitigen Ernennung der Behörden wurde Rehetobel als politische Gemeinde aus der Taufe gehoben. Da die Rehetobler für die Kosten der Kirche nicht allein aufkommen konnten, wurden durch die Landesobrigkeit allgemeine Steuern durchgesetzt (1% des Vermögens) und die Kirchgemeinde empfing Liebesgaben aus Holland, Heidelberg, Frankfurt und Köln.

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1737 wurde die alte Kirche aus Platzmangel durch eine neue Kirche, gebaut durch Jacob Grubenmann aus Teufen, ersetzt. Beim 1. Dorfbrand von 1796 blieb sie wie durch ein Wunder von den Flammen verschont. Doch beim Dorfbrand vom 21. Juni 1890 brannten Kirche und Pfarrhaus bis auf die Grundfesten nieder. 1891 wurde die heutige Kirche in Rehetobel erstellt, Architekt war K. Ramseyer aus St.Gallen. Finanziell brauchte die Gemeinde dafür die Unterstützung der gesamten Schweiz und bekam sie auch. Am 2. November 1892 konnte die neue, repräsentative Kirche eingeweiht werden. Seit der Zeit des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert wählte die Kirchgemeinde eher liberale, freisinnige Pfarrpersonen. Das kirchliche Leben, so die Verfasser der „Geschichte der Gemeinde Rehetobel“, blühte vor allem in Krisen- und Kriegszeiten auf. Heute ist die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde von Rehetobel eine moderne Institution, die sowohl die Tradition pflegt, als auch die spirituelle Tiefe und den Pluralismus ihrer Mitglieder fördert. Die Kirche ist ein offener Raum für Menschen aller Generationen, für Suchende und für im Glauben Verwurzelte und für Atheisten. Sie ist ein Raum für Meditation und Musik, für Wort und für Schweigen. Sie lädt Menschen dazu ein, sich mit ihrer je eigenen, persönlichen „Kirchengeschichte“ zu versöhnen und christliche Religion – auch in der Begegnung mit anderen Religionen – mit zu gestalten.

Pfrn. Beatrix Jessberger

 

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